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Katrin Hafemann • Schamlose Tänze
Katrin Hafemann • Schamlose Tänze
Bewegungs-Szenen in Frank Wedekinds Lulu-Doppeltragödie und Mine-Haha oder Über die körperliche Erziehung der jungen Mädchen
Tanz und Scham spielen in der Literatur um 1900 eine exponierte Rolle. In Frank Wedekinds Werk erfahren Bewegungs-Szenen, Körperlichkeit, Weiblichkeit, Schamhaftigkeit und Schamlosigkeit eine signifikante und literaturgeschichtlich neuartige Gestaltung.
Das Buch stellt erstmals eine Verbindung zwischen den Motiven Tanz und Tod bei Wedekind her, und das bekannte Drama Lulu wird dem weniger populären Romanfragment Mine-Haha gegenübergestellt. Mit Léon Wurmsers psychoanalytischer Schamtheorie gelingt die Interpretation der unnatürlichen Todesarten Suizid und Mord als Folgen der schamlosen Tänze. Wenngleich beide Protagonistinnen sterben, so unterscheiden sich doch die Ursachen grundlegend. Hidallas Selbsttötung in Mine-Haha ist als Entzug der Darstellung auf letzter Ebene zu verstehen. Lulu dagegen wehrt Scham ab, indem sie sich selbst schamlos ausstellt. Sie provoziert schließlich einen Tabubruch auf der Bühne der bürgerlichen Gesellschaft, der tödliche Folgen hat.
Das Buch lässt Wedekinds Œuvre in einem neuen, schillernden Licht erscheinen.
Königshausen & Neumann, Epistemata - Würzburger wissenschaftliche Schriften. Reihe Literaturwissenschaft - Band 676, Paperback, 130 Seiten