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Bild, Erinnerung, Identität • Die Filme des Kanadiers Atom Egoyan
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Bild, Erinnerung, Identität • Die Filme des Kanadiers Atom Egoyan
Autor: Matthias Kraus
Der Kulturwissenschaftler Stuart Hall forderte Anfang der 90er Jahre eine besondere Betrachtung des postkolonialen Kinos. Während allerorten von einer gleichmacherischen "One-World-Culture" gesprochen wurde, versuchte die "postkoloniale" Kulturwissenschaft die Vielschichtigkeit der Identitätsmuster von Migranten aufzuzeigen, indem sie die Repräsentationsformen ihrer Sprache und Kultur untersuchte. Der als Sohn armenischer Eltern in Kairo geborene und in Kanada aufgewachsene Filmemacher Atom Egoyan gehört spätestens seit den Festivalserfolgen seiner Filme Exotica und The Sweet Hereafter zu den meist beachteten Kinoschaffenden, die über einen bikulturellen Hintergrund verfügen. Darüber hinaus versteht Egoyan es wie kaum ein anderer gegenwärtiger Autor, Filme zu machen, die gleichermaßen klar konstruiert wie brilliant verrätselt sind und von großer sinnlicher Ausdruckskraft zeugen.
Obwohl Egoyans letzte Filme, die ihn einem breiten internationalen Publikum bekannt gemacht haben, nicht explizit von Migrantenschicksalen erzählen, ist die Entwicklung Egoyans nicht ohne die Entwicklung der Kultur des Einwanderunglandes Kanada zu begreifen. Dieser Kontextualisierung fühlt sich der Autor und Kulturwissenschaftler Matthias Kraus verpflichtet. Seine nun als Taschenbuch vorliegende Dissertation behandelt in zwei Teilen den Zusammenhang zwischen dem spezifisch kanadischen Technologiediskurs, den Positionen zu postkolonialen Identitätsfragen und den Filmen Egoyans. Weil dessen Figuren sich selbst fremd sind, müssen sie sich ständig künstliche Selbstbilder entwerfen -- so die Generalthese von Kraus. Auch wenn die Filmanalysen im zweiten Teil auf dem im ersten Teil referierten Thesenkabinett aufbauen, ist ein Quereinstieg in das Buch möglich. Der Schwerpunkt des Buches liegt auf der diskursiven Auseinandersetzung mit den frühen Filmen Egoyans, die eher einer filmischen Selbstreferentialität verhaftet sind als das Erzählkino, mit dem er in Europa bekannt wurde. Die Filme, die unmittelbar vor Exotica entstanden sind wie The Adjuster oder die ZDF-Produktion Calendar, stehen noch deutlich mit der Frage möglicher filmischer Repräsentation von Ritual und Erinnerung in Zusammenhang.
Der Band ist als Versuch zu verstehen, eine verspätete kulturwissenschaftliche Diskussion in Deutschland nachzuholen und verlangt dem cineastisch interessierten Leser Geduld ab. Kraus' filmanalytisches Geschick und nicht zuletzt seine Überlegungen zur raffinierten Erzähltechnik und Thematik von Egoyans letzten Filmen (Tauschhandel, Inzest und Erinnerung) versöhnen letztendlich mit dem oft redundanten Identitätsdiskurs dieses Buches.
Aufblende / Arte / Schüren, 256 Seiten, Softcover
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