0 0

Curt Siodmak • Unter Wolfsmenschen, Band 2

Artikelnummer: 3931135276

Gebraucht - sehr gut

?
Melden Sie sich mit Ihren Amazon-Zugangsdaten an, und zahlen Sie einfach mit Ihren, bei Amazon hinterlegten Adress- und Zahlungsinformationen.
? Warenkorb in PayPal anzeigen
Wenige Exemplare auf Lager - schnell bestellen!

Curt Siodmak • Unter Wolfsmenschen, Band 2


Band 2: Amerika
»Das Front Office hat mir einen Titel gegeben«, sagte mir George eines Tages. »Der Wolfsmensch«. Eigentlich Boris Karloffs Titel. Hat aber keine Zeit, ihn zu spielen, weil er gerade einen anderen Vertrag hat. Hier ist die Liste mit unseren Vertragsschauspielern Claude Rains, Warren William, Madame Ouspenskaya, Ralph Bellamy, Bela Lugosi und Evelyn Ankers, ein Mädel aus Australien, kann famos kreischen. Lon wird den Wolfsmenschen spielen. Das Budget beträgt 350.000 Dollar. In zehn Wochen fangen wir mit dem Drehen an. Bis dann.«
Zwar hatte ich für meine Arbeit nur den Titel, The Wolf Man, als Grundlage, aber die Geschichte setzte sich wie ein Puzzle von selbst zusammen. Ich sah darin den Kampf zwischen Gut und Böse um die Seele des Menschen und jenes unvermeidliche Walten des Schicksals, das auch mein Leben geformt hatte. Erst viele Jahre nach der Produktion des Wolf Manwurde ich mir über das Geheimnis seines Erfolges im klaren.
1942 bekam ich einen Brief von Professor Walter Evans vom Augusta College in Georgia, der den Film Wolf Man gesehen hatte. Er sprach über die Poetik des Aristoteles, deren Abhandlung über die griechische Tragödie und über die Parallele zum Wolf Man. In griechischen Tragödien entscheiden die Götter über des Menschen Schicksal, dem er nicht entrinnen kann. Bei Vollmond weiß der Wolfsmensch, daß es seine Bestimmung ist, zu töten. In griechischen Dramen haben die Götter ultimative Macht über das Leben der Menschen. Im Wolf Man übt der Vater ultimative Gewalt über seinen Sohn aus. Wie zufällig hatte ich den Film gleich einer griechischen Tragödie konstruiert, wodurch diese Figur den Schein des Klassischen gewann. Ich hatte dem Wolfsmenschen den Namen »Lawrence Talbot« gegeben. Das schlug ein. Bei der Abfassung des Drehbuchs wurde mir bewußt, daß wir alle – mich eingeschlossen – den Launen der »Harmatia« unterworfen sind, einem prädestinierten Geschick. War der Wolf Man ein Spiegel menschlichen Lebens?

Even a man who is pure in heart
And says his prayers at night
May become a wolf when the wolfbane blooms
And the autumn moon is bright.

(Sogar ein Mann mit reinstem Geblüt,
Der Gebete sagt jede Nacht,
Kann zum Wolf werden, wenn die
Wolfsblume blüht
Unter des Mondes goldener Pracht.)


Meinen Vierzeiler hat man inzwischen der »Zigeuner-Folklore« zugeschrieben. So macht man Volksüberlieferung. Ich bekam einen Anruf von RKO: Der Produzent Val Lewton (Vladimir Leventon) wollte mich sprechen. Val war ein Weißrusse, der 1918 nach der bolschewistischen Revolution mit seinen Eltern nach Amerika entkommen war. Val kannte den Wolf Man und war, wie er mir sagte, fasziniert von dessen freudianischen Konnotationen dem Kampf zwischen Vater und Sohn, eine Bedeutung, die ich in dem Film bisher noch nicht wahrgenommen hatte. Er fand, daß der implizite Schrecken in meinen Filmen mehr unter die Haut ginge, als direkte visualisierte Gewalt es vermochte.


Weidle, Paperback, 323 Seiten

Wir informieren Sie gern darüber, falls der Preis dieses Artikels Ihrem Wunschpreis entspricht.

Prüfcode
Es liegen keine Kommentare zu diesem Artikel vor.

* inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten